Bier - was für ein Genuss

Könnte es denn für Belgien einen herrlicheren Botschafter geben als sein Bier? Von einigen neugierig beäugt, von anderen inbrünstig geliebt - Bier lässt niemanden kalt.

Bier ist etwas Alltägliches und doch steht es im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Ja mehr noch – Bier ist geradezu eine Aufforderung zur Geselligkeit. Es lässt sich leicht genießen, doch seine Geheimnisse gibt es nicht ohne weiteres preis.

Teilweise verbirgt sich hinter einem ganz gewöhnlichen Geschmack eine ganz Palette von Aromen. Helles, dunkles, bitteres, süßes oder säuerliches Bier: Jedes von Ihnen erzählt eine Geschichte über seine Herkunftsregion. Einige Biere sind eng verwoben mit ihrer Heimat, andere tragen lokale Legenden in sich (Veranstaltungskalender rund ums Bier). Auch der Name spricht oftmals Bände über die Geschichte der Herkunftsregion. Es ist kein Zufall, dass das Jahr 2005 in Brüssel und in der Wallonie zum Jahr des Bieres erklärt wurde. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um eine schöne Adelung eines Getränks, das für so viel Freude sorgt. Ein bekannter belgischer Politiker und großer Kenner von Hopfen und Malz fasste in seinen Ausführungen ganz trefflich die gesellschaftliche Rolle zusammen, die das Bier einnimmt. „Der Weinliebhaber spricht mit seinem Glas; der Bierliebhaber spricht mit seinem Nachbarn“. Als Ergebnis von Leidenschaft und Erfindungsreichtum der Bierbrauer gibt es Bier für jeden Geschmack und seine Varianten entwickeln sich im Laufe der Zeit immer weiter. Es gab sogar eine Zeit, in der es in Belgien mehr Brauerein (Brauereien) als Kirchen gab und viele Häuser als Schenke fungierten! Von einer Region zur anderen, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf variierten die Geschmacksrichtungen und keine von ihnen geriet je in Vergessenheit.

Falstaff
© OPT-Kouprianoff

Brüssel zeichnete sich vor allem durch seine säuerlichen Biere aus, das Lambic mit Spontangärung und Zusatz von Hefe. Die Wallonie ihrerseits hat das Privileg besonders reiner Wasserquellen. Hier wird eine eindrucksvolle Anzahl charakteristischer Biersorten gebraut. Am Ufer der Sambre und vor allem in der Gegend der Gaume bei Virton gab es früher zahlreiche kleine Hopfenfelder, die noch heute gedeihen, wenngleich auch nur als wilde Hopfenpflanzen.

Das Ergebnis dieses herrlichen "Gebräus" war ein ständig wachsendes Interesse der Bierfreunde, aus denen sich neue Braumeister rekrutierten. Die von ihnen betriebenen Brauereien nahmen die Form von Mikro-Brauerein an. Dieses neue Phänomen, das sich dynamisch weiterentwickelt lässt fast vermuten, dass auch künftig jedes Dorf sein wieder sein eigenes Bier haben wird. Dieser Trend, der die ohnehin schon große Auswahl an Biersorten ergänzt, ist ein entscheidender Faktor für den Tourismus und eine wunderbare Einladung, die verschiedenen Regionen Belgiens (wieder) zu entdecken. Ein Bier verrät viel über seine Region, doch auch umgekehrt lassen sich Rückschlüsse von der Region auf sein Bier schließen – so ist es bereits ein Reflex geworden, ein "lokales" Bier zu bestellen.

Und auch immer mehr Fremdenverkehrsämter in Brüssel und in der Wallonie bieten Entdeckungsprogramme durch die Regionen (Empfehlungen für thematische Wanderungen rund um das Thema "Bier") an, die lokale Geschichte, Traditionen, regionale Spezialitäten und Bier verbinden. Die regionalen Breuerein unterstützen diese Art von Angeboten und geben dem Besucher die Möglichkeit, die Region auf ganz unerwartete, aber immer wohlschmeckende Weise kennenzulernen. Aus diesem Ansatz ergeben sich besonders lebendige Erinnerungen, die sich als Eindrücke der geographischen Landkarte der verschiedenen Biere ins Gedächtnis brennen, denn der Geschmack eines Bieres ist unvergesslich und untrennbar mit der Region verbunden, in der es zum ersten Mal gekostet wurde. Aus diesem Grund ist das Jahr des Biers nicht das Ende einer Entwicklung, es ist nur eine Etappe. Die Brauereien (Brauereien) können in eine goldene Zukunft blicken und werden mit Sicherheit nicht nur Belgien, seinen König und seine Kinder verzücken…sondern Bierkenner auf der ganzen Welt.
Es lebe das Bier der belgischen Regionen – Prost! !

Christian DEGLAS Präsident der Association des Journalistes Brassicoles de Belgique (AJBB).

Bier in der Wallonie und in Brüssel